Wo sind die Millionen des ehemaligen Tresorchefs und Kronzeugen Thomas S.?

Der Prozesstag am 29.April 2024 begann mit der Vernehmung des Zeugen Herrn H., Kriminalbeamter. Er war mit dem Abgleich der Konten der damaligen „Valvero Sachwerte GmbH“ betraut. Bei dieser „Valvero“ hat der jetzige Kronzeuge und ehemalige Geschäftsführer der vom Tresorraub betroffenen „Vallog GmbH“, Thomas S., ebenfalls Interessen verfolgt, sprich „seine Finger mit im Spiel“. Heute sollte vom Zeugen die vom Angeklagten Thomas S. behauptete Geldwäsche nachvollziehbar aufgezeigt werden. Der Beamte baute seine Ermittlungen auf einer Excel-Tabelle auf, die der Kronzeuge ursprünglich erstellt hatte. Es wurde erläutert, dass auf drei verschiedenen Konten der „Valvero“ zwischen dem 9.06. und dem 23.10.2022 Einnahmen in Höhe von 15,8 Millionen Euro zu verzeichnen waren. Die Einnahmen rührten aus ca. 50 Überweisungen, die aus verschiedenen Unternehmen der Mitangeklagten (Familie M.) stammten. Die Einnahmen wurden durch etliche Einzelüberweisungen getätigt, von denen die meisten aber sechsstellig waren. Offensichtlich zum Zwecke der Verschleierung wurden viele Zahlungen auch zwischen den Valvero-Konten mehrfach verschoben. Weiterhin berichtete der Zeuge von sehr beträchtlichen Bargeldauszahlungen in Millionenhöhe aus Valvero-Konten, deren genauen Höhe der Beamte nicht ermittelt hat.

Im Herbst 2022 gab es durch die Bayrische Landesbank eine Verdachtsmeldung der Geldwäsche. Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, wie es denn bei dem Angeklagten Thomas S. zu den von ihm selbst behaupteten hohen Schulden gegenüber den anderen Angeklagten gekommen ist, konnte der Zeuge keine Aussage treffen. Er äußert den vagen Verdacht, dass im ganz großen Stil Edelmetalle gekauft worden seien. Er sei dem aber nicht nachgegangen und wisse auch nichts über den Verbleib dieser Metalle. Die Zuhörer im Saal sahen sich ungläubig an. Wie bitte??

Auf den Einwand eines Verteidigers, dass es ja keine große Aufgabe sei, den 50 Überweisungen auf die Valvero-Konten die Ausgaben von diesen Konten gegenüberzustellen, antwortete der Zeuge, dass die Untersuchungen andauerten. Mehrfach vermied der Zeuge Antworten auf Fragen der Staatsanwaltschaft und der Anwälte mit dem Hinweis auf eine „fehlende Aussagegenehmigung“, die letztlich dann vom Vorsitzenden verlesen wurde.

Der Zeuge berichtete weiter von einem Goldkauf der „Valvero“ bei der Bayerischen Landesbank im Dezember 2022 – kurz vor dem Einbruch in die Schließfachanlage und der darauffolgenden Insolvenz dieser Valvero. Die Kaufsumme des Goldes in Höhe von 750 Tausend Euro wurde von der Valvero (also vom Kronzeugen und seinen Mitgeschäftsführern) nie bezahlt. Auch für den Verbleib dieses Goldes und Geldes hatte der Zeuge keine Antwort.

Als zweiter Zeuge wurde Herr L. des Unternehmens „Net-Bid Industrie-Auktionen“ aus Hamburg angehört. Der Insolvenzverwalter der Valvero hatte die Net-Bid AG beauftragt, die der von „Watchmaster“ an die Valvero verpfändeten (und beim Einbruch in die Fasenstraße NICHT abhanden gekommenen) Uhren zu verwerten. Die Uhren sollten einen Verkaufswert von 1,3 Millionen Euro haben, den Gegenwert zu einem der Watchmaster von der Valvero gewährten Kredit. Es wurde aber bald festgestellt, dass dieser gewünschte Betrag nicht annähernd erzielt werden konnte, denn auch hier traten Ungereimtheiten auf.

Auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick ist nach wie vor der Verbleib von Edelmetallen in Millionenhöhe nicht mehr nachvollziehbar. Auch Kontobewegungen – ebenfalls in Millionenhöhe – können nicht bis zum Ende nachverfolgt werden. Wo sind diese – vom Diebstahl nicht betroffenen – Millionen geblieben? Warum konnten die zuständigen Beamten in all dieser Zeit keine 50 Kontobewegungen abschließend auswerten? Ach ja, wenn es ans „Eingemachte“ geht, hören wir immer wieder: „Da fehlt mir die Aussagegenehmigung“. Also Danke für nichts? Denn dass dieser Kronzeuge, der es mit der Wahrheit scheinbar nicht sehr genau nimmt, derzeit Bürgergeld bezieht, seine Millionen aber wie von Zauberhand verschwunden sind, hinterlässt bei Vielen dabei mehr als nur ein „Geschmäckle“.